Was ist Lernen – wie funktioniert Lernen?

Lernen als Faszination für das Gehirn

Über Triebe und Triebbefriedigung ist viel geschrieben worden und wir alle kennen uns damit ganz gut aus. Dass aber Lernen auch ein Trieb sein kann, das erscheint als These sehr gewagt. Und dennoch – Lernen scheint für das Gehirn etwas ähnlich Bedeutendes zu sein wie sich satt essen oder dem Geschlechtstrieb in irgendeiner Weise nachzugehen. Der Stern hat einmal sinngemäß so getitelt: „Lernen ist geil!“ Die Frage ist nur, warum diese Lust am Lernen irgendwo auf der Strecke bleibt bei vielen Menschen, sogar schon bei jungen Menschen. Man kann lediglich mit Manfred Spitzer dagegenhalten, dass das Gehirn immer lernt, auch dann, wenn ich es bewusst nicht wahrnehme.

Ist es nicht logisch, dass Lernen ein Trieb ist? Alle höheren Kreaturen zeigen doch, wie wichtig die Anfangsphase des Lernens ist – wenn sie aufwachsen und dabei häufig sogar im Spiel und in der Simulation lernen. Aber auch danach sind viele Tiere, ob Wirbeltiere oder Weichtiere, immer noch fähig zu umfangreichem Lernen.

Was für Prozesse des Lernens sind bekannt, welche Vorgänge im Gehirn hat man inzwischen aufgedeckt? Wie könnte Lernen funktionieren? Aber ebenso muss gefragt werden, warum die Freude am Lernen bei Schülern so häufig unterbrochen wird.

Wenn ein Hochspringer durch gutes Training endlich die 6 Meter Marke überspringt, macht es ihn in der Regel glücklich. Genauso ist es, wenn ein Schüler durch eine längere und gute Nachhilfe in Mathematik endlich keine 5 mehr hat, sondern gute Noten erreicht und vor allen Dingen alles wirklich verstanden hat! Und nun kommt es! Das Gehirn belohnt uns bei jedem Erfolg mit einer Ausschüttung von Dopamin. Das kann sogar so weit führen, dass Lernen zur Sucht wird und genau wie bei Alkoholsucht dazu führt, dass man für andere Dinge des täglichen Lebens kaum noch Zeit hat, Zeit haben will!

Wenn man nun noch die Erkenntnisse von Konrad Adler Anfang des 20. Jahrhunderts mit ins Kalkül nimmt, muss man sich fragen, ob Lernen nicht zu einer großen Anerkennung in der Gesellschaft führt, was nach eben diesem Konrad Adler ein Hauptanliegen eines Individuums darstellt.